AUTONOMES FAHREN

Teslas Model 3 könnte voll autonom fahren, darf es aber (noch) nicht. Ist Elon Musk vorsichtig(er)?

Das Anfang 2017 auf dem Markt erwartete Model 3 des amerikanischen Autobauers Tesla Motors aus Palo Alto CA (USA) wird das gesamte für einen Autopiloten mit Autonomiestufe 5 benötigte Hardware-Paket eingebaut haben — was übrigens auch für die neuesten Versionen der Model S und Model X gilt.
Und dennoch fahren die jüngsten Tesla anfänglich sogar unterhalb der Autonomie-Fähigkeiten der ausgefeiltesten aktuellen Modelle. Tesla-Chef Elon Musk hat aus den jüngsten Vor-, Zwischen- und Unfällen mit dem noch nicht wirklich ausgereiften Autopiloten seiner Fahrzeuge gelernt und eine defensivere Gangart eingeschlagen.

Hardware-seitig bereit
Ein neuronales Netz füttert die Datenflut der neuerdings acht im Fahrzeug verbauten Kameras, welche für eine komplette Rundumsicht bis auf eine Distanz von 250 Metern sorgen (bisher gerade mal eine einzige Kamera), der zwölf Ul­traschallsensoren der neuesten Generation, welche Objekte auf eine grössere Distanz als bisher erkennen sollen und der Radarsensoren in den Autopiloten.
Diese technische Ausstattung würde an sich für ein Fahren auf Level 5 taugen, was bedeutet, dass ein Fahrer hinter dem Steuer des Autos tatsächlich nicht mehr nötig wäre. Was bei Tesla bisher «Autopilot» heisst, jedoch derzeit auf Stufe 3, also teilautomatisierte Fahrt beschränkt ist, wird also deutlich ausgebaut. Eine Einschränkung auf Autobahnverkehr bei schönem Wetter wird auf Stufe 5 nicht mehr nötig sein. Die Tesla-Insassen könnten künftig also Zeitung lesen, fernsehen oder sogar schlafen.

Freischaltung per Online-Updates
Alle für das voll autonome Fahren der Stufe 5 benötigten Funktionen wie bspw. Notbremsautomat, Kollisionswarner, Spurhaltesystem und adaptiver Tempomat sollen ab Ende 2016 dann in Intervallen von zwei bis drei Monaten per Online-Update der Fahrzeug-Firmware freigeschaltet werden. Musk hat offenbar aus den Zwischenfällen mit dem Tesla-Autopiloten gelernt und ist nicht mehr bereit, sich hartnäckiger Kritik auszusetzen, indem er verfrüht mit neuartigen Systemen auf den Markt prescht. Das System soll deshalb zuerst in aller Ruhe kalibriert und getestet werden, bevor es schliesslich in den Verkauf gelangt.

elon-musk
Elon Musk

Die «Alten» konnten bereits mehr
Paradoxerweise können also die Tesla-Autos der jüngsten Generation anfänglich weniger, als es bisherige Modelle des Herstellers bereits konnten, und dies auf der Basis von massiv weniger hoch entwickelten Kameras und Sensoren — aber auch mit den bereits mehrfach erwähnten Mängeln und damit verbundenen Risiken.
Laut dem Tesla-CEO betragen die Kosten der neuen Systeme rund 8000 Dollar, während der aktuelle Autopilot nur etwa 3000 Dollar kostet. Die «alten» Tesla sollen jedoch nicht mit neuer Hardware nachgerüstet werden.
Besitzer eines aktuellen Tesla werden also auf ein neues Modell umsteigen müssen, wollen sie in den Genuss des komplett autonomen Fahrens kommen.

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