ENTSORGUNGS-PROFI «ENTSORGT» DIE KONKURRENZ VOM 1. PLATZ

Der fliegende Solothurner Unternehmer Daniel Allemann düst der Konkurrenz in seinem Porsche zusehends um die «Ohren».

Der 58-jährige Daniel Allemann wollte vor einiger Zeit noch einmal «etwas ins Rollen bringen.» Nun, inzwischen rollt es ziemlich heftig und erfolgreich. © zVg

In Breitenbach im Schwarzbubenland ist Daniel Allemann auf Solothurner Boden daheim. Da steht auch seine Firma, die Terra Nova GmbH, die sich mit allem, was sich «zwischen Steckdose und Abfalleimer befindet», befasst. Terra Nova ist zur Stelle, wenn es um die Verwertung und Entsorgung von Abfallstoffen etwa aus der Papierindustrie und anderen Gewerben oder Klärschlamm aus Kommunen geht. In Dubai am Persischen Golf im Autodrome hat der Familienvater mit einer erwachsenen Tochter und einem erwachsenen Sohn jüngst die Konkurrenz quasi vom 1. Platz «entsorgt»; denn dieser gehörte letztlich allein ihm und seinen Kollegen. Mit einer bärenstarken Vorstellung sicherte sich die Truppe von Herberth Motorsport aus Jedenhofen (D), nahe München, den Gesamtsieg b im Rahmen dieser bei Profis und Gentlemen-Piloten äusserst beliebten und populären 24 h Series. «Das war mein bisher wertvollster Erfolg und ein Superstart in die neue Saison», hält Allemann fest. Selbst wenn er letztes Jahr schon die 12 Stunden von  Zandvoort (NL) und die 24 Stunden von Le Castellet (F) und Barcelona (E) gewonnen hatte.

Mit Brendon Hartley als Gast

Nahezu 100 Traumautos waren in Dubai in den diversen Klassen unterwegs. Ganz an der Spitze der PS-gewaltigen und überaus kostbaren «Perlenkette» passierte nach 24 Stunden der weisse Porsche mit Daniel Allemann, Ralf Bohn, Porsches neuseeländischem Werkspiloten und Langstrecken-Weltmeister von 2015 Brendon Hartley sowie den beiden bayerischen Teamchefs, Alfred und Robert Renauer, die Ziellinie. Ein Hochgefühl auf jeden Fall für den einzigen Schweizer im Quintett. Hartley war übrigens nicht deshalb dabei, weil man ihn als Verstärkung engagierte, sondern weil er selbst angefragt hatte. «Er ist noch nie in diesem Auto gefahren und wollte es gern mal probieren», erzählt Allemann. Da habe man natürlich nicht Nein gesagt, wenn ein so prominenter Könner anklopft. Nach einer kurzen Angewöhnungsphase war der Champion aus dem südlichen Pazifikstaat zwar schnell, aber nicht der Schnellste im Team. «Von den Renauers habe ich im Verlauf der letzten Jahre sehr viel gelernt», erzählt Allemann. Offensichtlich. Dass er zu den ganz Schnellen zählt, hat Robert Renauer in Dubai einmal mehr bewiesen. Der Süddeutsche stellte die anwesende Gilde von Werks-piloten ziemlich deftig in den Senkel und das Auto am Start so in die zweite Reihe. In der vierten Rennstunde übernahm die Herberth-Crew die Führung des «Edel-Corsos» und liess sich ab da und von da nicht mehr von der Spitze verdrängen. «Es muss viel zusammenpassen, damit man so ein Rennen gewinnt», sagt Allemann. Selbstverständlich ist das Team eminent wichtig. Motorsport ist Teamsport, das wird oft vergessen.  «Wir sind eine sehr kleine Mannschaft, die bei Bedarf mit immer den gleichen, freien Mitarbeitern ‹erweitert wird›, sagt der Unternehmer. Alles Leute, die extrem Freude an ihrem Job hätten, was ausserordentlich «wichtig ist». Eine eingespielte, bodenständige nicht primär dem Kaviar und der Gänseleber huldigende Gruppe, die sich blind versteht und die notabene auch auf die Unterstützung des Autobauers bauen darf. Porsche sorge für einen optimalen Kundenservice, erzählt Daniel Allemann. «Das macht uns sehr vieles einfacher.»

Ankommen ist das A und O 

Das A und O bei einem 24-Stunden-Rennen ist indes letztlich, dass man ankommt. «Es nützt gar nix, wenn du extrem schnell bist und das Ziel nicht siehst.» Insofern gelte es für alle Piloten, immer die Balance zwischen Angriff und Dosierung zu finden. Ehrgeiz ist zweifellos notwendig und angebracht und im Fall des Solothurners aus dem Fast-Baselbiet, nahe von Liestal, auch deutlich spürbar. Aber: «Man muss einschätzen können, wann man wie viel Risiko nimmt, ohne letztlich null Risiko einzugehen.» Wer jegliches Risiko vermeidet, gewinnt bestimmt nie ein Autorennen. Andererseits muss man auch nicht jeden Curb „fressen“ und darf das Material so auch mal schonender durch die Runde bringen.

„Fast“ ein Neuling

Zum Motorsport kam Daniel Allemann vor nicht allzu langer Zeit. Zuerst war er ab 2010 im Porsche  Sports Cup, später im Porsche Carrera Cup im Einsatz. «Anfangs wollte ich einfach mal reinschnuppern», erinnert sich der Solothurner an die Anfänge. Aber: «Es hat mir sofort den Ärmel reingezogen.» Vom Motorsport-Virus infiziert, ging es fortan immer flotter vorwärts. «Ich war ein völliger Neuling.»  Ein Newcomer, der unterdessen wie erwähnt sehr viel gelernt und entsprechend schnell geworden ist. Man darf durchaus von einem Neuling, der Allemann 2010 war, reden, selbst wenn der 1981/1982 schon im Golf-Cup unterwegs war. «Bis es mich damals aufs Dach gedreht hat – dann war fertig.» Dieser Salto mortale war zu viel für die Kriegskasse. Inzwischen ist wieder ein bisschen Geld im «Seckli» drin.

Neben dem Motorsport ist Helikopterfliegen ein gros-ses Hobby von Daniel Allemann. Mit Fliegen hat er vor drei Jahren angefangen. «Irgendwie wollte ich noch etwas bewegen», blickt der 58-Jährige zurück. Nach dem 50. Geburtstag noch etwas ins Rollen bringen sozusagen. Nun, inzwischen rollte es beim Dubai-Sieger 2017 ganz mächtig. Mit seinem eigenen Helikopter fliegt er heute zum Skifahren, an ein Rennen nach Mugello (I) oder nach Barcelona oder sonst wo hin; und mit dem rollenden Porsche 911 GT3 R bestreitet er, wie Figura zeigt, sehr erfolgreich, Langstreckenrennen in Europa, Asien und  den USA. Das Saisonfinale der 24 h Serie findet in Cota in der Nähe von Austin, Texas, statt.

Die Aussicht auf mehr

Im Fall von Daniel Allemann und Herberth Motorsport, Herberth, weil Vater Renauer so hiess, würde es nicht verwundern, wenn da demnächst noch der eine oder andere Sieg in der 24-Stunden-Serie oder einem anderen Rennen dazukäme. Das neue Auto ist definitiv schnell, die Crew eingespielt und ebenfalls schnell und «einen Unfall hatten wir auch noch nie – Holz anlangen, so Allemann. Für ihn bleibe  der Rennsport aber auf jeden Fall ein Hobby, wenngleich auch ein ziemlich intensives. «Wir reden hier von sechs, sieben, acht Rennen pro Jahr», sagt der blitzschnelle Ü-50er.

Ein Traum, der sich durchaus noch erfüllen kann, könnte Daytona 24 sein. Ein Start an dem mitunter legendärsten Langstreckenrennen der Welt, das am Wochenende stattfindet. «Ja, das könnte ich mir gut vorstellen.» Angebote gebe es immer wieder mal  – auch für Le Mans. Weniger infrage kommen für ihn, als «Spätzünder», die 24 Stunden auf der Nordschleife – das grösste Autorennen der Welt. «Da ist so viel Spezialwissen nötig, dass ich das nicht mehr unbedingt möchte.» Schliesslich bestreitet Daniel Allemann Autorennen nicht, um in der Landschaft rumzutuckern und  die liebliche Fauna und Flore zu beobachten; sondern um die Faszination, ein Auto am Limit zu bewegen und immer besser und schneller zu werden, zu erleben. Und wenn  sich sein Rennwagen dann derlei bewegt, muss das Gefährt auch klingen wie ein  Rennwagen. Obwohl er mit seiner Firma auch Kraftwerke baut, derzeit etwa für die Zuckerfabrik Aarberg, sind Elektroautos für Daniel Allemann kein Thema. «Nein, dafür bin ich zu alt», lacht er.

Allein, wer nur ab und zu in sein Rennauto sitzt und ein Rennen fährt, schafft es nicht wirklich zuoberst auf ein Podest. «Testtage gehören darum immer wieder auch mal dazu.» Im Februar geht es für die Dubai-Sieger 2017 derlei nach Portugal, ehe Mitte März dann der nächste Lauf in der 24-Stunden-Serie in Mugello ansteht. Ein Rennen, an das Daniel «Düsentrieb» Allemann dann je nach dem mit seinem Hubschrauber fliegen kann.

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