EDITORIAL: EINE DIFFUSE ANGELEGENHEIT

An ihn hat man sich im Strassenbild gewiss bereits gewohnt: Der VW Golf. ©zVg

Die Schweiz fährt jetzt besser. Ob sie wirklich gut fahren wird – so wie sich dies das Pro-Komitee in seiner Abstimmungskampagne zum Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds (NAF) erhofft hatte – wird man sehen. Jedenfalls stehen die Zeichen hierfür sicher jetzt besser, als noch vor dem Urnengang am vergangenen Wochenende. Für eine Abstimmung typisch sind bekanntlich die an neuralgischen Stellen, unter anderem auch entlang der Strasse, platzierten Kampagnenplakate. Laut Gesetz ist Werbung am Strassenrand inner- und ausserorts dann bewilligungsfähig, wenn bestimmte, der Verkehrssicherheit dienende, Voraussetzungen erfüllt sind. Im Bereich von Autobahnen und Autostrassen sind Strassenreklamen grundsätzlich untersagt. Es liegt auf der Hand, weshalb dem so ist: wegen der Ablenkung.

Und die Ablenkung ist das Hauptthema der vorliegenden Nummer. Dabei ist die jüngste Sicherheitsstudie der Allianzversicherung die Grundlage dieses Dossiers. In ihren Studien kamen diese Forscher zum Schluss, dass die Ablenkung den Alkohol als Hauptunfallursache abgelöst hat. Doch dieser «Wettkampf», was nun das grössere Problem darstellt, ist eigentlich absurd. Denn beides ist schlecht. Basta. Und beides birgt Leid und Verderben in sich: ein unaufmerksamer Autofahrer und jemand mit Alkohol am Steuer. Aber wenn man denn schon werten will, ist zu sagen, dass die Ablenkung wohl heimtückischer ist. Sie kann jeden zu jeder Zeit betreffen. Beim Alkohol gibt es ganz einfach die Möglichkeit Nein zu sagen: «Wer fährt, trinkt nicht.» Doch die Ablenkung? «Das betrifft mich doch nicht, ich passe schon auf.» Das sagen sich wohl alle. Doch was ist überhaupt Ablenkung? Wo beginnt diese? Wenn ich nun im Auto am frühen Morgen bei den Sportnachrichten im Radio genauer hinhöre wie es Roger Federer im Tennismatch in einem Turnier in den USA während der vergangenen Nacht ergangen ist, bin ich da schon abgelenkt? Ja! Wenn zwei meiner Passagiere heftig diskutieren auch? Ebenfalls ja! Deshalb, und nicht wegen der Folgen, ist für mich persönlich die Ablenkung das gravierende Problem. Eben weil es so diffus ist und nicht «nur» wegen der Folgen.

Dass man unterwegs am Steuer von einem zirkulierenden VW Golf abgelenkt wird, dies ist eher weniger wahrscheinlich. Denn erstens ist dieser im Strassenbild viel zu häufig vertreten – man ist sich dessen Anblick gewohnt. Und zweitens sieht er eigentlich über die Jahre von Modellgeneration zu Modellgeneration immer gleich aus. Doch dies ist gewiss nicht auf eine in Wolfsburg grassierende Fantasielosigkeit zurückzuführen, sondern dies hat absolut System. Davon konnten wir uns bei der jüngsten Präsentation des VW-Bestsellers überzeugen. Denn noch immer gilt, was mir Peter Wippermann, ein deutscher Trendforscher und Professor für Kommunikationsdesign, 2003 anlässlich der damaligen Präsentation der 5. Golf-Generation gesagt hatte: «Nach fünf Autogenerationen repräsentiert der Golf die Gattung Auto schlechthin.» Das stimmt mehr denn je, doch dieses Auto kennen wir ja. Dies ist vielleicht der «Preis», der von Volkswagen beim Golf gelebten Devise «Evolution statt Revolution». Dafür gibt es aber beim neuen Golf 7.5 – dem Update – gewiss im Interieur einen Wow-Effekt …

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