BANZAI!

Honda macht nicht den gleichen Fehler wie 2011, als der Civic mit Wasabi-Schärfe fünf Jahre auf sich warten liess. Gleich nach der Einführung der 10. Generation folgt nun der Type R.

Das Europageschäft von Honda boomt mit einem Verkaufsplus von fast 21 %, und die Marke gibt mit einer schnelleren Erneuerung des Angebots noch Gas. Der vielversprechende Civic 10 kommt nun zur Auslieferung und es ist Zeit, auch ihm ein Topmodell mit dem Logo «Type R» zu verpassen.

Parallel zum Standardmodell entwickelt

Bisher kamen die Civic Type R immer erst gegen Ende des Modellzyklus ihres Basismodells auf den Markt. So konnten sich die Japaner das Kundeninteresse über längere Zeit sichern. Diese Strategie wird für die jüngste Auflage des Mittelklässlers nun aufgegeben. Der Produktverantwortliche Hideki Kakinuma und sein Team wurden früh in die Modellplanung einbezogen und entwickelten den Type R parallel zum Civic 10. Das Vorgehen ist eine logische Folge der neuen Firmendevise, den sportlichen Civic als Imageträger für die ganze Marke vorzuzeigen. Zur Erinnerung: Der neue Civic ist länger, breiter und niedriger als sein Vorgänger. Dennoch konnten der Schwerpunkt und die Sitzposition um 34 bzw. 60 Millimeter abgesenkt werden. Die Struktur ist 16 Kilogramm leichter und 52 % steifer. Das Fahrwerk setzt auf doppelte Querlenker vorn und eine Mehrlenker­achse hinten, um auch bei hohen Geschwindigkeiten grösste Stabilität zu bieten. Das sind hervorragende Voraussetzungen für eine Sportversion.

Noch immer ausgefallen, aber praktisch

«Die Form folgt der Funktion», beteuert Hideki Kakinuma kategorisch. Hinter den scharfen Kanten und der rassigen Karosserielinie des Civic Type R steckt viel aerodynamische Detailarbeit, wie man sie dem Vorgänger nie zuteil werden liess.

So sorgt die Fächerform des Stossfängers für bestes Anströmen der Bremsen für die Kühlung und für die geringe Verwirbelung unter dem glatten Fahrzeugboden. Der hintere Spoiler fällt grösser aus, um zusammen mit den Abrisskanten des Aufbaus weniger Sog zu generieren. Sein Anpressdruck erreicht dennoch ansehnliche 150 Newton, was der guten Stabilität bei hohem Tempo dient.

Das Interieur gibt sich hingegen sehr nüchtern. Das Armaturenbrett stammt vom zivilen Civic. Immerhin bestehen die Verkleidungen aus Kohlefaser, und einige rote Zierstreifen erinnern an den sportlichen Anspruch des Modells. Die Schalen- sitze wurden vom bisherigen Type R übernommen.

VTEC-Turbo und Schaltgetriebe bleiben

Unter der Motorhaube des Civic Type R baut Honda wieder den im Vorgänger präsentierten 2­L­VTEC­Turbo ein. Die Techniker verpassten ihm ein Leistungsplus von 10 PS auf 320 PS bei 6500/min, während das höchste Drehmoment von 400 Nm zwischen 2500 und 4500/min gleich bleibt. Die Mehrleistung wurde durch eine revidierte Motorsteuerung und eine andere Abgasführung erzielt.

Der Civic Type R gibt seine Kräfte wieder auf die Vorderräder ab und bleibt beim 6­Gang­Schaltgetriebe. Dieses be- kommt erstmals eine automatische Drehzahlanpassung beim Herunterschalten («Rev Matching»). Kakinuma­-San durfte uns während dieser Vorpremiere des Type R nicht alle technischen Details verraten und konnte sich beispielsweise nicht zu den Untersetzungsverhältnissen der Box äussern. Er verriet aber, dass diese angepasst wurde, um den sportlichen Charakter des Wagens hervorzuheben. Wir zweifeln seine Aussage nicht an.

Eine kleine Besonderheit: Der neue Type R verfügt über eine Auspuffgasführung mit drei Endrohren, die ihre Verwandtschaft mit gewissen Ferrari F40 und 458 nicht leugnen können. Das dient nicht allein dazu, das Modell stilistisch von der Masse abzuheben, sondern wird auch mit der Abstimmung für einen charaktervollen Auspuffklang und zum Ausfiltern von Dröhngeräuschen bei Konstantfahrt begründet.

Fahrwerksentwicklung

Neben seiner schärfer gewählten Fahrwerksabstimmung profitiert der Type R wieder von den adaptiven Stossdämpfern. Der Fahrer kann je nach Laune drei Fahrmodi wählen (bisher 2): «Sport» ist die Grundabstimmung, «Komfort» dient dem Wohlbefinden an Bord auf Langstrecken und im «+R» kann man sich austoben oder die Rennstrecke besuchen. Die Fahrprogramme ändern die Kennlinien für die Lenkung, das Ansprechverhalten des Gaspedals, die Stossdämpfer und die Antriebsschlupfregelung. Das Rev Matching ist übrigens in allen Programmen aktiv.

Die gegenüber dem Standardmodell erhöhte Verwindungsstei gkeit des Type R wurde durch Verstärkungen an strate- gisch «schwachen» Stellen erzielt.

Globaler Eroberungsfeldzug

Die Produktion des neuen Civic Type R startet im Werk Swindon (UK) im Sommer 2017. Die Markteinführung erfolgt im Herbst, mit Preisen von 37 400 bis 41 400 Fr. Der Type R wird natürlich in ganz Europa angeboten, aber auch welt- weit exportiert. Der Sportler kommt ins normale Modellangebot in Japan, also nicht mehr nur in limitierter Auflage. In Nordamerika wird der Type R erstmals ei- ne offiziell importierte scharfe Sportvariante des Civic.

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