«AUTO SPORT SCHWEIZ» – ETWAS ANDERS ALS DIE FIFA

Um seinen Mitgliedern und Partnern auch in Zukunft ein kompetenter Partner zu sein, stellt sich «Auto Sport Schweiz» selbstkritisch gleich selbst auf den Prüfstand.

Derzeit regiert im Motorsport vielenorts die Zeit der Tests. Es geht darum, das richtige Setup für die neue Saison zu finden. Ein gutes Set-up ist «finalement», die Balance des Fahrzeugs zu suchen und zu finden, die am besten zum Fahrstil des jeweiligen Fahrers passt. Eine gelungene Abstimmung ist schnell und macht das Fahren einfach – Runde für Runde. Ein gutes Set-up zahlt sich in dem Sinn selbstverständlich in Form von guten Resultaten aus. Das Gegenteil ist alles andere als gut. Wenn du keine gute Konfiguration hast, verlierst du schnell Zeit und Geld und Ansehen. Nun, just derlei machen sich der nationale Motorsport-Verband Auto Sport Schweiz ASS und dessen Direktor Patrick Falk auf, ihr Set-up für die Zukunft zu finden. «Wir haben keine Not und machen diesen Schritt nicht, weil wir dringende Baustellen oder Beschwerden hätten», betont Falk. Der ASS stellt sich quasi freiwillig auf den Prüfstand und lässt sich in seinem Tun und Wirken von einer aussenstehenden Stelle durchchecken. Von einer Agentur, die frei von der Leber weg argumentieren, kritisieren, aber auch loben könne, ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass man jemandem auf den Schlips treten könnte oder man jemand anderen bauchpinseln müsste, erläutert Falk. Diese neutrale Stelle ist die BPM Sports GmbH. Ziel dieser zukunftsorientierten Situationsanalyse ist es, als Verband beweglich, dynamisch und agil zu bleiben sowie proaktiv zu handeln. «Wir sind gut aufgestellt, aber wir wollen nicht zuwarten, bis es irgendwann und irgendwo lichterloh brennt und wir dann zu Feuerwehrübungen gezwungen sind», sagt Falk. Proaktiv statt reaktiv also heisst die Parole – ein geradezu vorbildliches Gebaren eines nationalen Dachverbandes.

Auto Sport Schweiz ist in der Hinsicht sozusagen das Gegenteil des Fussball-Weltverbandes Fifa. Die ganze Welt hat unlängst mitbekommen, wie Bruder Filz und Schwester Korruption in diesem milliardenschweren und selbstherrlichen Teig hausten und sich breit und immer breiter gemacht haben. Bis dann die Polizei im Mai 2015, begleitet von TV- Kameras, den Hauptsitz quasi stürmte und einige Herren abführte. Hätte man damals nicht eingegriffen, die Fussball- WM würde wohl bald in der Antarktis oder in der Wüste Gobi statt finden und der längst fällige TV-Beweis würde noch 200 Jahre auf sich warten lassen. Die Fussballer haben sich in dem Sinn zuletzt alles andere als vernünftig, zukunftsorientiert oder der Sache dienend gezeigt – dafür umso blasierter und patriarchalischer.

Direktor Patrick Falk (u. r., Mitte) ist bestrebt, ein gutes Verhältnis zu allen Playern in «seinem» Verband zu pflegen. Dafür ist er auch bereit, andere Wege zu gehen. © zVg.

Das Beispiel Swiss Olympic

Von solchem Gebaren ist man bei Auto Sport Schweiz Lichtjahre entfernt. Dennoch: «Wir wollen nicht die Blackbox da in Bern sein, die für die Mitglieder und alle jene, mit denen wir zusammenarbeiten, ein ‹Schloss› mit sieben Siegeln ist», sagt Patrick Falk. Dem initiativen Verbandsboss liegt daran, dass man miteinander redet und möglichst alle wissen, wer der oder die andere ist. «Zusammen geht immer besser als allein», sagt Falk.

Dem Berner kommt in diesem Sinn zweifellos entgegen, dass er vor sechs Jahren als Aussenstehender in die Materie Motorsport eingetaucht ist. Also keiner von denen ist, die meinen, sie hätten die Weisheit mit dem Löffel gefressen, nur weil sie einmal ein regionales Seifenkistenrennen am «Chäsistutz» gewonnen haben. So fällt es einfacher, uneigennützig zu bleiben. «Ziel dieser eingeleiteten Analyse von BPM», sagt Falk, «ist ein selbstkritischer Check in Bezug auf Strategie, Struktur/Prozesse, Personal, Kompetenzen, Finanzen sowie Kultur und Werte.» Je nach dem sollen als Folge davon strategische Massnahmen und Handlungsfelder definiert und umgesetzt werden. Um das zu erreichen, werden in den nächsten Wochen viele Fragen gestellt. Fragen wie etwa: Welches sind die Vor- und die Nachteile der heutigen Verbandsstruktur? Welches sind die Kernkompetenzen des Verbandes? Was zeichnet den Verband aus, und wo bestehen allenfalls Defizite/Schwierigkeiten? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Mitgliedern, Gesellschaftern, Veranstaltern, Piloten, Lieferanten, dem Weltverband FIA, Swiss Olympic usw. Just zu letztgenanntem Player ist zu sagen: Auto Sport Schweiz ist nach wie vor kein ein- gestuftes Mitglied bei Swiss Olympic. Die Motorradfahrer dagegen sind wie die Minigolfer, Wushuler und Grasskifahrer in Stufe 4 eingeteilt. Zum Verständnis: Je nach Potenzial, das ein Verband respektive eine Sportart im Hinblick auf die nächsten Olympischen Spiele bzw. auf die kommende Welt- und Europameisterschaften hat, wird sie in die fünf Klassen eingeteilt. Die «Einstufung» ist dann das entscheidende Instrument für das Verteilen von Fördergeldern und der Vergabe von Talent Cards. Die Einstufung soll helfen, Schwergewichte richtig zu setzen und die Verbände zu einem effizienten Einsatz der zur Verfügung gestellten Mit- tel zu bewegen. «Als nicht eingestuftes Mitglied erhalten wir pro Jahr 2000 Franken von Swiss Olympic», klärt Falk auf. Das reicht gerade mal für einen netten Maibummel mit der Belegschaft der fünfköpfigen Geschäftsstelle – inklusive Znacht. Die eingeteilten Sportarten da- gegen erhalten ein mehr- bis zigfaches dieser 2000 Franken. «Für uns», so Falk, «ist neben dem finanziellen immer mehr auch der Aspekt wichtig, dass wir talentierte Nachwuchspiloten bei deren Ausbildung unterstützen können. Und dazu brauchen wir die Talent Card, die wir dann, wenn es angebracht ist, abgeben können.» Allein so gehen Motorsportler in Zukunft bei Lehrmeistern, Schuldirektionen oder Militärinstruktoren genau gleich wie Fussballer oder Schwinger als Spitzensportler durch. Und dass Motorsport ein Spitzensport ist, bei dem man top t sein muss, ist all jenen klipp und klar, die schon mal eine Stunde oder länger unter höchster Anspannung bei brütender Hitze ein Auto vollgas über den Circuit gelenkt haben. Da gehst du auch gut trainiert hart ans Limit. Vielen Laien freilich ist das nach wie vor so nicht klar und bewusst.

Mit einem dynamischen Verband an der Spitze sollen die Schweizer Fans auch künftig tollen Motorsport im eigenen Land zu sehen bekommen. ©AR
 Lange in einer eigenen Welt

Allein, der Motorsportverband hat sich beim nationalen Sport-Dachverband Swiss Olympic auch lange nicht besonders hervorgetan. Man lebte sozusagen in seiner eigenen Welt, das muss auch Falk so einräumen. Auch er selbst hatte früher keine Ahnung, dass da mehr als 2500 lizenzierte Schweizer Motorsportler auf der Strecke sind. Er hätte nie mit so vielen gerechnet so wie wohl 90 Prozent derer, die man auf der Strasse befragen würde. «Wir reichen jetzt bei Swiss Olympic einen Stapel von Papieren ein, damit wir unseren Status ändern und auch eingeteilt werden.» Und damit selbstverständlich auch mehr Geld erhalten, welches wiederum für eine gezielte, Optimierung des eigenen Wirkens eingesetzt werden kann. Zum Beispiel für das Thema Kommunikation. Gerade für einen Verband, dessen Mitglieder so sehr auf Sponsoren angewiesen sind, ist eine starke Kommunikation im Dienst seiner Mitglieder ungemein wichtig, sollte man zumindest meinen … Patrick Falk hat als ex-Unihockeyaner und Geschäftsführer von Swiss Unihockey gewisse Defizite in dem Bereich erkannt und geht seinen dynamischen Weg.

Um zu auswertbaren Resultaten zu kommen, werden in den nächsten Wochen und Monaten viele Befragungen mittels Fragebogen stattfinden. In die Befragung eingebunden werden alle Stakeholders von Auto Sport Schweiz. Neben den Gesellschaftern sind das Vertreter der Nationalen Sportkommission, der eigentlichen ASS-Legislative, der Geschäftsstelle, der Serienveranstalter, der Rennveranstaltungsorganisatoren, der Breitensportvertreter, der Spitzenfahrer, der Funktionäre sowie weitere Betroffene. Ziel ist es, wie gesagt, Spannungsfelder aufzudecken und wenn vorhanden, diese mit möglichst klaren, zielgerichteten und nachhaltigen Methoden zu beseitigen. «Ich gehe davon aus, dass wir nicht alles optimieren können, was die Untersuchung zu Tage bringt. Aber einen grossen Teil davon», ist Falk zuversichtlich. Wobei, vielleicht läuft ja auch alles prima und es gibt gar nichts zu verbessern. «Das wäre ja auf der einen Seite toll, ist auf der anderen aber auch eher unvorstellbar.»

Das Hier und Jetzt ist ein Gesichtspunkt. Bei der Messung auf dem Prüfstand soll der ideale Weg des Motorsportverbandes für die Zukunft aufgezeigt werden. Dies «damit wir in den nächsten Jahren den Anforderungen, die auf uns zukommen, gewachsen sind». Die Mobilität verändert sich schliesslich… In dem Sinn geht Auto Sport Schweiz ins Qualifying, um die optimale Startposition für die Zukunft einzunehmen. Und das, noch ehe viele andere nur daran denken, dass so was eigentlich eine gut und weitsichtiges Sache wäre …

 


Die Leistungsoptimierer

Mit den beiden Geschäftsfeldern «Sports Excellence» und «Healthness» will es die BPM Sports GmbH im Sportbereich tätigen Organisationen ermöglichen, unternehmerisch zu handeln und den wachsenden Herausforderungen proaktiv zu begegnen. Dies ob als öffentliche Hand, als Sportverband, als Sportverein, als Betreiber einer Sportanlage, als Veranstalter von Sportevents oder als privates Unternehmen. Sports Excellence beinhaltet das Erheben von

Kennzahlen sowie das Anwenden von Best-Practice- und Benchmark-Verfahren. Basierend darauf können da- mit Schwachstellen und Optimierungspotenziale aufgezeigt, Konzepte erarbeitet und umgesetzt werden. Mit «Healthness» unterstützt BPM die Kunden bei der Umsetzung ihres Gesundheitsmanagements. Konkret entwickelt und betreibt BPM speziell zu- geschnittene Sport- und Freizeitangebote und hilft, eine attraktive Arbeitgeberin zu sein.

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