HAMILTON HAT KURZ MAL GAS GEGEBEN

Wenn er will, scheint er unschlagbar zu sein – Lewis Hamilton fährt der Konkurrenz in Shanghai auf und davon. Vettel bleibt jedoch dran. Wer hat am Wochenende in Bahrain die Nase vorn?

Lewis Hamilton lief in China nie Gefahr, die Führung im Rennen abzugeben. © F1/mspb

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat im Kampf um die WM-Krone zurückgeschlagen und nach einer fehlerlosen Vorstellung den GP von China souverän gewonnen. Zum fünften Mal nach 2008, 2011, 2014 und 2015 durfte sich Hamilton auf dem Shanghai International Circuit als Sieger feiern lassen. Zwei Wochen, nachdem er von Vettel in Melbourne (AUS) auf Platz 2 verwiesen worden war. Hamiltons 54. GP-Sieg seiner Karriere war zu keinem Zeitpunkt des Rennens gefährdet.

Hamilton verwies in Shanghai Ferrari-Star Sebastian Vettel auf Platz 2 und zog nach Punkten in der WM-Wertung mit dem Deutschen gleich. Vettel war nach einer turbulenten Startphase zunächst zurückgefallen, kämpfte sich aber mit einer starken Leistung wieder nach vorn. «Es war ein spannendes Rennen, ein toller Kampf, das hat richtig Spass gemacht», sagte Vettel auf dem Siegerpodest. Die feuchte Strecke hatte das Rennen auch zu einem Strategiepoker gemacht. «Es war schwierig, die richtigen Zeitpunkte für die Reifenwechsel zu wählen», meinte Hamilton. Und: «Ich freue mich auf die nächsten Duelle mit Sebastian. Das kann ein grossartiges, spannendes Jahr werden, denn da ist ja auch noch dieser Junge.» Damit meint der Brite natürlich Max Verstappen. Der Holländer fuhr im Red Bull von Startplatz 16 noch auf Rang 3. Dabei machte er bereits in der ersten Runde acht Ränge (!) gut. Schon nach wenigen Metern musste der Red-Bull-Pilot im Qualifying sein Auto wieder parken. Der Renault-Antrieb des RB13 streikte, offenbar war es ein Software- respektive Mappingproblem – daher die schlechte Startposition.

Die Resultate des Rennens.

Zu Fehlern getrieben

Polesetter Hamilton kam am Start unter den kniffligen Bedingungen auf Intermediate-Reifen am besten weg und verteidigte seinen Spitzenplatz problemlos. Vettel blieb Zweiter, sein Start wurde von den Stewards jedoch untersucht. Er soll seine Position nicht wie vorgeschrieben eingenommen haben, erhielt letztlich aber keine Strafe. Zudem wechselte Vettel unter dem virtuellen Safety-Car nach einer Kollision zwischen Lance Stroll im Williams und Sergio Perez im Force India schnell auf Trockenreifen. Hamilton zog auf abtrocknender Strecke nur kurz danach nach, als Wehrleins Ersatzmann Antonio Giovinazzi im Sauber auf der Start- und Zielgeraden «ausrutschte», in die Boxenmauer krachte und so früh für die zweite Safety-Car-Phase sorgte. Der Italiener hatte schon im Qualifying für einen spektakulären Unfall an der genau gleichen Stelle gesorgt. Das Chaos spülte Verstappen im Red Bull von Startplatz 16 zwischenzeitlich auf Rang 4 nach vorne. Nach der turbulenten Anfangsphase beruhigte sich das Geschehen auf einer abtrocknenden Strecke jedoch sichtlich – vorne konnte Hamilton, gefolgt von Verstappen, der sich bis dahin auf Rang zwei vorgearbeitet hatte, nahezu ungestört seine Runden drehen. Dahinter hatte Vettel Probleme, an Teamkollege Räikkönen und Daniel Ricciardo vorbeizukommen. Erst in der 20. Runde schaffte es der Wahl-Schweizer am Finnen vorbei, und drei Umläufe später, nach einem harten und spektakulären Duell, passierte er dann auch den Australier im zweiten Red Bull.  In der Folge jagte Vettel Verstappen. Der Vierfachweltmeister trieb den Niederländer nach Rennhalbzeit in einen Fehler, Verstappen verbremste sich am Ende der 29. Runde, und Vettel fuhr auf Platz 2 vor. Das wars dann.

Weniger gut erging es Sauber und dem Wehrlein-Ersatzmann Antonio Giovinazzi, der gleich zwei Autos «schrottet». © F1/mspb

Keine Werbung für sich

Für Antonio Giovinazzi war das Rennen wie erwähnt schon früh, nach vier Runden genau, vorbei. In China betrieb er als Sauber-Ersatzfahrer für den verletzten Deutschen Pascal Wehrlein keine Eigenwerbung – im Gegenteil. Der Süditaliener, nach seinem 12. Platz in Melbourne mit viel Lob bedacht, verursachte 22 Stunden nach seinem Einschlag in die Streckenbegrenzung im Qualifying an der fast gleichen Stelle einen Crash – nach dem Herausbeschleunigen aus der Zielkurve verlor der Ferrari-Zögling das Heck. Wiederum wurde das Sauber-Auto stark beschädigt. Vor dem Rennen hatte bei diesem wegen des Unfalls vom Samstag das Getriebe gewechselt werden müssen, weshalb Giovinazzi nicht von Startplatz 15, sondern von Position 18 wegfahren musste. Marcus Ericsson im anderen Sauber-Auto absolvierte ein enttäuschendes Rennen am Ende des Fahrerfeldes. Für den von Platz 14 aus gestarteten Schweden war der Gewinn von WM-Punkten in China schnell unrealistisch. Er klassierte sich – bei fünf Ausfällen – auf dem 15. Rang. Immerhin: Im Gegensatz zu Sauber brachte McLaren-Honda keines der beiden Autos ins Ziel. Es geht also noch schlimmer. Fernando Alonso musste auf Platz 9 liegend das Rennen nach 35 Runden wegen eines technischen Defekts aufgeben, sein Teamkollege Stoffel Vandoorne hatte zuvor bereits unfreiwillig die McLaren-Box ansteuern müssen.

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