AUCH IN DER TSCHECHISCHEN REPUBLIK IST DIE ZUKUNFT ELEKTRISCH

Erkenntnisse und Einblicke zu Škodas kommender Elektromobilitäts-Strategie, erstmals verkörpert in der Designstudie «Vision E».

In seiner Keynote anlässlich der Präsentation von Škodas Elektromobilitäts-Strategie 2025 am 28. März am Stammsitz der tschechischen Marke in Mladá Boleslav gab CEO Bernhard Maier (58) bekannt, dass Škoda ihre Modellpalette mit Fokus auf SUV erweitern, das Unternehmen noch weitergehend internationalisieren, neue digitale Mobilitätslösungen entwickeln und die Flotte elektrifizieren werde. Škoda schwenkt damit also auf dieselbe Schiene ein und «kocht» mit demselben «Wasser», wie inzwischen alle grossen Autobauer.

«Die Steinzeit hat nicht geendet, weil ein Mangel an Steinen herrschte und auch die Ölzeit wird nicht aufgrund der Ölverknappung zu Ende gehen», meinte Bernhard Maier. Nichtsdestotrotz bereite sich die Automobilindustrie auf das Elektrozeitalter vor, weil sie der Forderung nach einer sauberen Umwelt nachkommen wolle. Mit Blick auf die EU-Klimaziele von 2020 müsse man dies auch, fügte er an. 

Der Vision E als Studie.

Škodas E-Strategie

Bereits 2011 hatte Škoda mit dem e-Octavia intensiv ein E-Auto mit diversen Kundengruppen getestet. Da es aber bei Škoda Teil der Strategie sei, neue Technologien erst dann anzubieten, wenn sie dem Kunden konkrete Vorteile zu einem akzeptablen Preis böten, so der Škoda-CEO, habe es noch keine Serienproduktion gegeben. Gemäss Experteneinschätzungen sei spätestens 2025 jedes vierte Auto elektrisch, sodass das E-Fahrzeug für die Škoda-Kundengruppen zunehmend interessanter würde. Auch seien Fortschritte in der Batterietechnologie greifbar: In den nächsten paar Jahren erreichten gesteigerte Akkukapazitäten, verkürzte Ladezeiten und verminderte Kosten eine kundenfreundliche Alltagstauglichkeit.

Für Škoda sind die fundamentalen Pfeiler ihrer Elektromobilitäts-Strategie die alltagstaugliche Reichweite der Fahrzeuge, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, hohe Fahrfreude, Vernetzung, Assistenzsysteme und ein gefälliges Design. Die eigenen Fahrzeugkonzepte für rein elektrische Mobilität der Marke aus dem Herzen der Tschechischen Republik werden auf der Basis der MEB-Konzernplattform (MEB: Modularer Elektrobaukasten) von Volkswagen entwickelt.

Mit der Präsentation des 1:1-Modells des kommenden «Vision E» in Form einer Designstudie des Aussenlooks gewährte Škoda in ihrem Designzentrum einen ersten, scheuen Blick auf die konkrete Verkörperung ihrer künftigen Elektro-mobilitäts-Strategie. Bis zum Jahr 2025 will die tschechische Marke dann fünf -E-Fahrzeuge in verschiedenen Segmenten auf den Markt bringen. Als eine Art Auftakt kommt im Modelljahr 2019 der Škoda Superb mit Plug-in-Hybrid-Antrieb.

Škoda «Vision E»

Gemäss Bernhard Maier könnte das erste markttaugliche E-Auto von Škoda auf der Basis des Vision-E-Konzepts etwa 2020 erscheinen (s. auch Interview). Das emotional gezeichnete, fünftürige SUV-Coupé soll batterieelektrisch bis 500 km weit fahren, dank einer Systemleistung von 225 kW/306 PS verzögerungsfrei sowie nach Bedarf über alle vier Räder dynamisch bis maximal 180 km/h beschleunigen und die Voraussetzungen für das autonome Fahren der Stufe 3 (bedingte Automation) erfüllen: Es kann demnach selbsttätig im Stau agieren, per Autopilot Strecken auf Autobahnen zurücklegen, die Spur halten oder ausweichen, Überholvorgänge durchführen, selbstständig freie Parkplätze suchen sowie alleine ein- und ausparken. Dafür stehen diverse Sensoren mit unterschiedlichen Reichweiten und verschiedene Kameras bereit, die das Verkehrsgeschehen überwachen.

Mit seinen 4.65×1.92×1.55 m, einem Radstand von 2.85 m sowie dank dem im Fahrzeugboden verbauten Batteriepack und dem dadurch vollkommen flachen Innenraumboden wird der Vision E, welcher als moderates Crossover-SUV positioniert ist, überdurchschnittlich viel Platz für Passagiere und Gepäck bieten. Aufgebaut wird der E-Škoda dann auf der künftigen MEB-Plattform des VW-Mutterkonzerns sein.

Die neue Design-DNS der Marke mit dem Flügelpfeil besteht aus den weiter-akzentuierten Full-LED-Leuchten im Crystalline-Design, welche vorne an ein vierblättriges Kleeblatt gemahnen sollen. Generell wird auf die Lichtsignatur noch grösseren Wert gelegt als bisher, wie wir uns anhand von Design-Prototypen der Scheinwerfer- und Heckstrahler-Phalanxen überzeugen konnten, welche wohl wirklich wie eine Flut von Prismen und Kristallen funkeln werden. Zentral ebenfalls ist der sogenannte «Phantom-Grill», die neue Front der E-Škoda, welcher ja keine Kühleröffnung mehr benötigt, sowie der erstmals im Octavia präsentierte «Power Dome» auf der Motorhaube. Die Coupé-artige Silhouette mit der sanft abfallenden Dachlinie des bulligen Crossover-SUV mit den markanten Kanten im Blechkleid und den grossen Radkastenöffnungen wirkt dynamisch und fast ein wenig ehrfurchtgebietend. Aussenspiegel findet man keine, vielmehr sind Rückwärtskameras in den Längs-«Kristallen» aussen am Cockpit vorgesehen.

Im Inneren gehts gleichermassen futuristisch wie stylish zu und her, indem grosser Wert auf edle Materialien, feinste Verarbeitung und geräumige Platzverhältnisse gelegt wird. Grosszügige Bögen und Linien strukturieren das Interieur und machen es zu einem Raum mit Wohlfühlcharakter. Bis auf Lenkrad und Pedale ist das Cockpit spiegelsymmetrisch angelegt: Vor Fahrer und Beifahrer befinden sich je ein stark querformatiger Anzeigebildschirm für unterschiedliche Aufgaben und Informationen, dazwischen thront der Touchscreen mit 10 bis 12 Zoll Durchmesser. Auf die Fahrzeugfunktionen kann natürlich auch via Stimm- und Gestensteuerung zugegriffen werden. Kleine Lautsprecher in den Kopfstützen aller vier Plätze erlauben zudem ein individualisiertes Konsumieren von Audioinhalten.  Dass der Vision E dauerhaft mit dem Internet verbunden ist, entsprechende Services aus dem Netz für die Passagiere nutzbar macht, sich online Software-Updates holt und alle gängigen Elektronik-Helferlein mit ihm verbunden werden können, versteht sich von selbst.

Könnte so das Innere des Vision E aussehen?

Blick ins Innere erst in Shanghai

Leider war es uns im Škoda-Design-Center nicht erlaubt, Fotos vom Mock-up zu machen, sodass die Grafiken auf dieser Seite genügen müssen. An der Auto Shanghai (21.–28.4.2017) will Škoda dann aber einen Konzeptwagen auf der Basis dieses Vollgrössenmodells ausstellen, welcher einen ausgearbeiteten Innenraum mit bereits gewissen (simulierten) Funktionalitäten besitzt. Hierzu mehr im Interview mit Bernhard Maier.


BERNHARD MAIER ZUM NEUEN «VISION E»

 

AR: Wie wird sich der Škoda «Vision E» von den E-Fahrzeugen anderer Hersteller abheben?

Bernhard Maier: Der «Vision E» ist auf den ersten Blick als reinrassiger Škoda zu erkennen. Wir haben in unserer Strategie 2025 neben der Markenstrategie auch die Produkt- und die Designstrategie neu definiert, haben eine klare Marken- und Produktidentität herausgearbeitet. Das neue Auto ist sofort als Škoda zu erkennen und doch auch als ein neuer Škoda, der mit all den Möglichkeiten, welche die Elektrikplattform bietet, die typischen Škoda-Eigenschaften in besonderer Weise herausstellt, nämlich sehr geräumig zu sein, sehr viel Praktikabilität zu bieten. Natürlich wird er auch die «simply clever»-Details, die wir immer unseren Fahrzeugen mitgeben, in voller Blüte zum Ausdruck zu bringen. Hinzu kommt ein für Škoda komplett neuer Antrieb, eine neue Form, das Fahrzeug zu bewegen. Wir sind sicher, mit diesem Produkt den Nerv der Zeit zu treffen, wenn es dann voraussichtlich 2020 auf den Markt kommt.

Bernhard Maier, CEO Škoda

Was wird, im Vergleich zum Mock-up des Aussendesigns hier in Mladá Boleslav, am Konzeptfahrzeug des Vision E an der Auto Shanghai vom 21. bis zum 28. April dann noch anders sein?

Wir sprechen ja hier von einem Concept Car. Wir zeigen heute, in welche Richtung, etwas tendenziös, die Designsprache und auch die Ausgestaltung des Interieurs gehen könnten (Anm. der Red.: Das Interieur ist am Mock-up nicht zu sehen; es wurden nur Konzeptzeichnungen gezeigt.). Wir haben bis dahin ja noch ein paar Wochen Zeit, um an den Details zu feilen, was wir auch tun werden. Wir wollen in Shanghai die ersten Feedbacks unserer Kunden und der Öffentlichkeit abholen, um diese dann auch in unsere Arbeit zu integrieren und schrittweise zu verarbeiten. Im Exterieurdesign sind wir schon relativ nahe an dem, wie wir das Fahrzeug aufbauen werden, im Interieurdesign werden wir noch einen deutlichen Schritt nach vorne gehen, bei den Elementen, die wir an der Auto Shanghai zeigen werden.

Welches sind, zusammengefasst, die neuen Elemente, die Škoda künftig implementiert?

Zum einen geht es um die neue Form der Connectivity, natürlich 24/7, always online. Also der nahtlosen Anbindung der mobilen Geräte, die der jeweilige Kunde mitbringt, mit dem Fahrzeug. Eine entsprechend grosszügige Raumgestaltung für Passagiere und Gepäck. Und natürlich alle modernen Infotainment-Systeme, die zu diesem Zeitpunkt dann state of the art sein werden.

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