AEGERTER UND DAS «ABSTIMMUNGS-PHÄNOMEN»

Seit heuer sitzt Dominique Aegerter wieder auf «seiner» Suter. Auf dem Schweizer «Bike» angekommen ist er aber noch nicht.

Teamarbeit: Dominique Aegerter mit Stefan (l.) und Jochen Kiefer (r.) sowie einem Suter-Techniker (vorne)

Das Potenzial sei ersichtlich, aber noch nicht ausgeschöpft, sagte Dominique Aegerter nach dem Frankreich-GP über sein Suter-Motorrad. Mit Platz 6 hatte er sein zweitbestes Saison­resultat nach Rang 5 in Austin/Texas (USA) herausgefahren. Seither fiel der Rohrbacher nur noch zurück: Nach Rang 7 in Mugello (I) blieb er zuletzt in Barcelona (E/17. Platz) sogar erstmals punktelos. Auch die Qualifikationsresultate waren ernüchternd: Rang 18 in Mugello, Rang 19 in Barcelona. Aegerter hat sich die Rückkehr zu seinem «Suter-Baby» einfacher vorgestellt.

Einst dominant

Der ehemalige GP-Pilot Eskil Suter und seine gleichnamigen Motorräder dominierten einst die Moto2-WM. Die ersten drei Konstrukteurstitel der Moto2-Ära nach dem Debüt 2010 gingen allesamt an das Werk im zürcherischen Turbenthal, inklusive des Fahrertitels des heutigen MotoGP-Superstars Marc Marquez 2012. Mit Suter feierte auch Aegerter seine grössten Erfolge: Sechs Podestplätze inklusive des bisher einzigen GP-Sieges im Sommer 2014 auf dem deutschen Sachsenring. In den zwei darauffolgenden Jahren mit dem deutschen Konkurrenzprodukt Kalex, welches fortan die Moto2-Klasse dominierte, kam der Berner aber auf keinen grünen Zweig mehr. Sein einziger Podestplatz, Rang 3 beim Italien-GP 2015, ist sein bisher letzter geblieben.

Zuletzt in Barcelona musste Aegerter mit Platz 17 einen extremen Rückschlag verkraften. «Massive Grip-Probleme machten das Rennen besonders schwierig», erklärte Stefan Kiefer, der zusammen mit seinem Bruder Jochen das gleichnamige Team führt. Zu diesem wechselte «Aegi» auf diese Saison, nachdem er noch vor dem Saisonende 2016 beim Schweizer Team mit Landsmann Thomas Lüthi rausspediert wurde, weil er dort unter anderem auf eine Rückkehr von Kalex zu Suter pochte. «Die Suter hat Potenzial», sagt auch Kiefer. Aber nicht nur der Fahrer muss sich an seinen Töff herantasten, sondern auch das Team. «Wir sind gefordert. Wir müssen Dominiques Motorrad besser herrichten», sagt Kiefer, der mit seinem Landsmann Stefan Bradl (und Kalex) 2011 die Moto2-WM gewann, ebenso wie 2015 in der Moto3 mit dem Briten Danny Kent. «Die richtige Abstimmung des Motorrades ist für Fahrer und Team eine grosse Herausforderung.»

Noch auf der Suche

Die Herausforderung sei fast doppelt so gross, sagt Kiefer, weil das Team zuletzt Kalex-Motorräder hatte und eben auch eine Klasse tiefer engagiert war. «Das finale Suter-Setting für Dominique haben wir noch nicht gefunden», erklärte der Deutsche in Mugello (I). Platz 7 war beim vorletzten WM-Lauf das vierte Top-Ten-Resultat des Berners in Serie. «Jetzt geht es ums Feintuning. Die Suter reagiert recht stark auf kleine Veränderungen, egal ob das die Gabel oder ein Federbein betrifft.» Schon der ehemalige Schweizer GP-Pilot Randy Krummenacher machte einst anhand von weltbekannten Bauklötzen darauf aufmerksam, dass die Suter im Vergleich zur Kalex schwieriger einzustellen sei: «Kalex ist Lego – Suter aber ist Lego Technic.» Es könne sein, so Kiefer, dass die Suter hinsichtlich der Abstimmung filigraner sei: «Dieses Abstimmungs-Phänomen von Suter hatten wir in den Kalex-Jahren 2011 mit Bradl und letztes Jahr mit Kent in der Moto2 nicht.» Andererseits, betont der Teammanager, sei Aegerter auch ein extremer Fahrer, der zu diesem Motorrad passe: «Deshalb mag er die Suter auch.»

Jeder hat seine Sprache

Ein Motorrad verstehen zu lernen, sei das eine. Einen Piloten verstehen zu lernen, sei das andere, sagt Kiefer. «Piloten drücken sich anders aus, wenn sie erklären, was das Motorrad tut oder nicht.» Natürlich hälfen beim Set-up auch die technischen Daten, die das Motorrad via Sensoren ans Team liefere, sagt Kiefer: «Wir hatten in unseren 15 GP-Jahren gute Zeiten, aber auch schlechte. Es ist schon so, dass unter dem Strich eben der Fahrer und seine Leistung ein Team gut oder eben schlecht aussehen lässt.» Ohne Namen zu nennen, sagt Kiefer schmunzelnd, es gebe Piloten, bei denen ein Techniker wegen der missverständlichen Aussagen verzweifelt die Hände verwerfe. Bei Aegerter sei das aber kein Problem: «Wir haben uns mittlerweile aufeinander eingeschossen.»

Stefan Kiefer bezweifelt nicht, dass sein Pilot konstant bei den Rennen jeweils in die Top 5 fahren wird. «Aber das geht Schritt für Schritt, wir lernen noch – und man darf nicht vergessen: An der Weltspitze wird die Luft eben auch dünner.»

Werner J. Haller

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