OHNE DIKE WÄRS SOGAR DER TAGESSIEG GEWORDEN

Titelverteidiger Martin Bürki gewinnt in Genf den achten Slalom in Folge in dieser Saison. Bei ihm wahrhaftig kein Zufall.

Martin Bürki und sein Polo – auch in Genf wieder mal ein unschlagbares Duo. © GR

Als es beim achten Slalom der Saison in Genf just vor dem Start der schnellsten Rennwagen zu regnen beginnt, hat Martin Bürki in seinem «weltberühmten», giftgrünen VW Polo seinen ersten Lauf schon im Trockenen. Mit 2:03.91 führt der Uetendorfer die Konkurrenz in dem Moment an. Die Topfavoriten auf den Tagessieg, Marcel Maurer und Philip Egli, kommen in der «Sauce» nicht an die Zeit von Bürki ran. «Wenn du in so einem Moment vorne liegst, ist das nicht wegen dir und deinem Können, sondern dann hat der Wettergott entscheidend eingegriffen», sagt Bürki. Letzterem, was sein Hobby angeht ein Perfektionist, wie er im Buche steht, wäre es definitiv lieber, wenn immer allein aufgrund der fahrerischen Qualitäten entschieden würde. Der unberechenbare Zufallsfaktor dürfte aus Sicht Bürkis also Pause machen. Doch was solls – Petrus ist definitiv einer, der im Motorsport immer seine Finger im Spiel hat. 

Dike sorgt für Gerechtigkeit

Gott sei Dank gibt es ja aber neben Petrus auch noch Dike. Sie ist in der griechischen Mythologie eine der Horen und ist die Personifikation der Gerechtigkeit. Dikes Eltern sind «Big-Boss» Zeus und Themis, ihre Schwestern heissen Eunomia, die für die gute Ordnung verantwortlich ist, und Eirene, die in der Antike für den Frieden sorgte. So setzte sich zu guter Letzt denn auch die gute Ordnung friedlich durch. Im zweiten Umgang fanden die Tourenwagen, die in Lauf 1 noch vor dem Regen durchgekommen waren, nun ihrerseits eine noch sehr feuchtnasse Strecke vor. Etliche Piloten parkierten ihr Auto darum gleich, ohne die Zündung zu betätigen, im Parc fermée, sprich sie traten erst gar nicht mehr zum zweiten Lauf an. Nicht so Meister Bürki. Als alter und designiert neuer Schweizer Slalommeister erfüllte der Oberländer seine Pflicht und fuhr Lauf 2 ordentlich runter. Wissend, dass er keine Chance haben würde, seine Superzeit aus dem 1. Umgang auch nur  annäherend zu erreichen, sprich zu verbessern. «Es ist nur fair gegenüber dem Publikum und dem Veranstalter, wenn man auch in so einem Fall zu einem zweiten Lauf antritt», meint Bürki. Es gebe schliesslich viele Fans, die nur da seien, um die Autos fahren zu sehen. Wer dann letztlich vorne sei, sei vielen  Zuschauerinnen und Zuschauern ziemlich egal. Auf der nun immer schneller abtrocknenden Strecke kam es «finalement» so – Dike sei Dank –, dass die Benachteiligten aus dem ersten nun die Bevorteilten im zweiten Lauf waren.  Diesmal waren es die Single-Seater, welche die besseren, sprich trockeneren Bedingungen vorfanden. Eine Chance, die sich  Maurer und Egli nicht entgehen liessen. «Ich konnte die Slicks drauflassen», hielt Maurer fest. Allerdings war dem Berner bewusst, dass Genf-Spezialist Egli in der Regel schneller sein würde als er. Mit 1.58.3 gegenüber 1.57.4 war es dann auch so. Freilich hebelte es dem Zürcher auf seinem «Besttime Run» die Hinterachse aus. «Das Auto sprang nach einer Bodenwelle auf – ich hatte keine Chance, es zu kontrollieren, sprich in das nächste Tor zu steuern», so Egli. Der Torfehler – «so etwas ist mir gar noch nie passiert» – führte dazu, dass das Resultat aus Lauf 2 nicht in die Wertung kam. Marcel Maurer feierte auf diese Weise seinen ersten Sieg in Genf. «Das freut mich natürlich sehr», so der Tagessieger, der durch seine Teamkollegen von seinem Glück erfuhr. Dies nachdem er sich zuvor schon mit dem Ehrenplatz abgefunden hatte.

Alles klar – eigentlich …

In der Schweizer Meisterschaft führt nun nach 8 von 10 Rennen Martin Bürki mit 160 Punkten vor Daniel Wittwer (Forst) mit 135 und Marcel Maurer mit 129 Punkten. Auf den weiteren Rängen folgen Albin Mächler (Wangen)  mit 128, Stephan Burri (Milken) mit 115 und Philip Egli (Rombach) mit 112 Punkten. Der Rest des Feldes folgt mit respektvollem Abstand, sprich mit weniger als 100 Punkten. Weiter geht es in der Slalommeisterschaft nach einer nun folgenden längeren Pause am 30.9./1.10. in Drognens/Romont FR. Sofern sich das Pantheon des ungeteilten Chaos, die verderbten Mächte und die dunklen  Götter nicht zum Pakt gegen den Uetendorfer Chef des MB Motorsportteams vereinen, wird dieser auch 2017 Slalommeister. «Es ist wohl so, aber sicher ist es erst dann, wenn die letzte Schlacht geschlagen ist», sagt Bürki. Kein Krieg sei vor dieser letzten Schlacht entschieden. Schliesslich könne auch ihm noch viel Unvorhersehbares passieren. Allein, was in seiner Macht steht, um die makellose Saison auch makellos zu beenden, wird der Perfektionist tun. Keine und keiner, der den Berner kennt, zweifelt daran, dass da irgendwas vergessen gehen oder übersehen werden könnte. Dass er in seiner Klasse meist über null ernsthafte Gegner verfügt, kümmert Martin Bürki übrigens nicht. «Wer sich mit mir messen will, kann ja in meiner Klasse antreten», sagt er. Es gebe durchaus Leute, die auch in der 1600er-Kubik-Klasse fahren könnten. «Aber ich denke, man weicht mir auch aus.» Abgesehen sei der Klassensieg für ihn nicht allein das Mass der Dinge. «Mit einem 1600er der schnellste Tourenwagen zu sein, ist mein Ziel.» Mit einem 2-Liter- oder einem noch gröberen Motor mit 300 und mehr PS sei das nicht so ein Problem – aber mit einem 1.6-Liter «ist sowas noch nie dagewesen». In Genf hat Martin Bürki dafür gesorgt, dass dieses noch nie Dagewesene wieder einmal da war.

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