KEIN JAMMERN AUF HOHEM NIVEAU

Nico Müller steht in der laufenden DTM-Saison nicht da, wo er sein möchte. Halb so schlimm, sagt der Berner.

Nico Müller (Nummer 51) möchte dieses Jahr noch jubeln: Aber in der DTM ist der Konkurrenz­kampf härter denn je. © DTM.COM

Beim bisher letzten DTM-Lauf in Moskau (RUS) blieb Nico Müller erstmals in der laufenden Saison punktelos. Zuvor, auf dem Norisring (D), wo der Berner im Jahr zuvor, in seiner dritten DTM-Meisterschaft, erstmals einen DTM-Lauf gewonnen hatte, kratzte er nur gerade drei Pünktchen zusammen. Nach fünf von neun Läufen (mit je zwei Rennen) zur DTM-Meisterschaft liegt Müller (14. Zwischenrang/36 Punkte) weit zurück hinter den Top Ten, 25 Zähler hinter den beiden punktegleichen Ex-DTM-Champions Gary Paffet (GB/2005) und Bruno Spengler (CDN/2012) auf den Rängen neun und zehn. «Ehrlich gesagt, sowas weiss ich nicht mal genau», sagt Nico Müller – und bremst so gleich mal die Fakten und nackten Zahlen aus. Oder anders gesagt: Nichts ist so schlimm, wie es auf den ersten Blick aussehen mag.

Natürlich hätte Nico Müller in der laufenden DTM-Meisterschaft gerne mehr Punkte auf dem Konto. Natürlich möchte der 25-jährige Berner Oberländer bessere Platzierungen vorweisen können als einen vierten oder fünften Rang wie in Budapest (H) oder zu Saisonbeginn in Hockenheim (D). «Natürlich ist es nicht optimal, wenn man in der Meisterschaft nicht vorne mitmischt. Aber nach dem vielversprechenden Saisonstart haderten wir, das Team und ich. Irgendwas lief an einem Renn­wochenende immer irgendwie schief. Wir müssten mal wieder alles an einem Renntag zusammenbringen, dann ist alles möglich», sagt der Audi-Pilot von ABT Sportsline. «Zwei oder drei Podestplätze könnten es dieses Jahr schon sein. In Budapest und auf dem Norisring waren wir schon Richtung Podest, doch beide Male glitt uns ein solches aus den Händen.»

Auch im GT-Sport fehlte dieses Jahr schon das entscheidende Quäntchen Glück: «Bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring haben wir in der letzten Runde nach einsetzendem Regen auf Trockenreifen fahrend die Führung verloren. Da blieb eben ‹nur› Platz drei», erinnert sich – noch immer sichtlich enttäuscht – Müller, der den Klassiker 2015 gewonnen hatte. Ärgerlich auch die verpasste Chance bei den 24 Stunden von Spa-Francorchamps (B). «Da wäre der Sieg möglich gewesen, mit vielen Führungsrunden oder immer in Schlagdistanz. Aber da war ja ein verpatzter Boxenstopp, aber vor allem diese zweite Durchfahrtsstrafe, die uns wertvolle Zeit gekostet hat», erklärt der Berner Oberländer. Trotz diesen Fehlern oder Pannen, auch jenen in der DTM, müsse man nicht gleich alles schlechtreden, betont Müller: «Das wäre Jammern auf hohem Niveau!»

Immer höhere Leistungsdichte

Fehler würden seit diesem Jahr mehr denn je bestraft, sagt Müller, und spricht damit die Reduktion des DTM-Feldes von 24 auf 18 Autos an. «Die Leistungsdichte in dieser weltbesten Tourenwagen-Serie war schon in den Jahren zuvor sehr hoch. Durch die Reduktion ist das Niveau nochmals angestiegen», erklärt er. Dass sich die Laufsieger während einer Saison quasi die Klinke in die Hand reichen, ist in der DTM nichts Aussergewöhnliches. Dieses Jahr haben sich bei bisher fünf Läufen mit je zwei Rennen mit René Rast (D/2 Siege), Lucas Auer (A/2), Jamie Green (GB/2), Maxime Martin (B/1), Bruno Spengler (CDN/1), Paul di Resta (GB/1) und Maro Engel (D/1) bereits sieben Piloten aller drei Hersteller Audi, Mercedes und BMW in die Siegerlisten eingetragen – genauso viele wie 2015 zum selben Zeitpunkt der Saison. 2016 teilen sich die Siege zum Spätsommer auf sogar neun Piloten auf.

Erstaunlicher ist dafür, dass man Mattias Ekström unter den bisherigen Siegern nicht findet, obwohl der DTM-Champion von 2004 und 2007 derzeit die Meisterschaft hauchdünn, mit nur einem Punkt Vorsprung auf Rast (112 Zähler) und vor Auer (99) anführt. Der Schwede ist auch Müllers Teamkollege im Team von Audi ABT Sportsline. «Er gewann zwar bisher keine Rennen, holte aber an jedem Rennwochenende konstant gute Punkte und bringt fast immer alles zu 95 Prozent zusammen», sagt der Berner und unterstreicht damit nochmals die starke Konkurrenz: «In diesem auf diese Saison hin verkleinerten Startfeld gibt es nur absolute Topfahrer. Jeder kann Rennen gewinnen und man darf deshalb nicht frustriert sein, wenn die Rechnung nicht immer aufgeht.» Vier Läufe stehen 2017 noch aus, Zandvoort (NL) eröffnet dieses Wochenende die zweite Saisonhälfte, dann folgen der Nürburgring (D), Spielberg (A) und Hockenheim (D). Für Müller eine Chance: «Klar bin ich unter dem Strich nicht zufrieden mit meinem Punktestand. Aber ich bin mit dem bisherigen Saisonverlauf nicht unglücklich, weil ich weiss, dass wir das Werkzeug für Topresultate haben.»

Und dies auch längerfristig, ist Müller überzeugt. Der Ausstieg von DTM-Konkurrent Mercedes auf Ende des nächsten Jahres bereite ihm jedenfalls kein Kopfzerbrechen: «Man muss das doch auch mal anders sehen können. Natürlich ziehen sich Hersteller aus Rennserien zurück und wechseln in eine andere. Wir haben das zuletzt mit Audi und nun auch mit Porsche in der Langstrecken-WM erlebt. Aber das gibt den Rennserien auch Luft für neue Ideen oder für neue Formate.» Er fühle sich absolut wohl bei seinem Arbeitgeber Audi, der ihm nebst der DTM auch Einsätze im GT-Sport erlaube – und nächstens auch in der Rallycross-WM.

Werner J. Haller

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