FERRARI EROBERTE DIE SCHWEIZ

Im Jahr 1950 wurde erstmals ein Ferrari in die Schweiz importiert. Heute sind es ein paar Hundert pro Jahr. Und immer wieder haben sich Schweizer bei Rennen am Volant von Ferrari-Wagen ausgezeichnet. Am weitesten brachte es Gianclaudio Regazzoni, der den Weltmeistertitel 1974 ganz knapp verpasste.

Schweizer Debüt Peter Staechelin kaufte sich 1950 den Mille- und Le-Mans-Siegerwagen, um damit als Privatier Rennen zu fahren. © Col­lection Maniago

Am 14. März 1924 hat der Modeneser Alfa-Romeo-Vertreter Enzo Ferrari auf einem Alfa Romeo ES mit 4.3-L-Motor am Kilomètre-Lancé von Eaux-Mortes bei Genf teilgenommen. Es blieb dies sein einziger Auslandstart. Am 16. November 1929 erfolgte die Gründung der Scuderia Ferrari, welche dann von 1930 bis 1937 Alfa-Romeo-Sport- und -Rennwagen bei allen grossen Rennen einsetzte. Wenige Jahre danach folgte der Krieg, wobei Enzo Ferrari in dieser kritischen Zeit in Maranello (I) eine Fabrik aufbauen liess, in der während des Weltkonfliktes unter anderem Rundschleifmaschinen hergestellt wurden. Enzo Ferrari wollte aber ein ei­genes Auto bauen: 1945 beauftragte er den bisherigen Alfa-Romeo-Techniker Gioacchino Colombo mit der Konstruktion eines V12-Motors mit 1.5 Litern Hubraum. Es entstand der Ferrari 125 S, der anlässlich des Sportwagenrennens von Piacenza (I) vom 11. Mai 1947 mit Franco Cortese am Steuer debütierte. Der erste Auftritt eines Ferrari in der Schweiz erfolgte am 2. Mai 1948 beim GP der Nationen in Genf, wobei Raymond Sommer auf dem Ferrari 166 mit 2-L-V12-Motor hinter den Maserati-Fahrern Giuseppe ­Farina und Emanuel de Graffenried den dritten  Platz belegte. Der nächste markante Schritt erfolgte am 3. Juli 1949 beim Grossen Preis der Schweiz bei Bern, als Alberto Ascari mit dem Ferrari 125/F1 mit aufgeladenem 1.5-L-V12-Motor als Sieger einer Grande Epreuve (heute würde man WM-Lauf sagen) hervorging. 1950 wurde erstmals ein Ferrari in der Schweiz immatrikuliert. Der Basler Peter Staechelin erwarb genau denjenigen Ferrari-166-2-L-Sportwagen mit der Chassisnummer 008, an dessen Steuer im Jahr zuvor Clemente Biondetti die Mille Miglia und einige Wochen danach Luigi Chinetti mit dem Engländer Lord Selsdon die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hatten. Staechelin bestritt die Schweizer Rennen der Saison 1950, ohne jedoch gross in Erscheinung zu treten. Im gleichen Jahr produzierte Ferrari erst 26 Wagen. Mittlerweile hatte die Marke bereits Weltruhm erlangt. Am 27. Mai 1951 importierte Otto Wild aus Muri AG einen Ferrari 340 mit 4.1-L-V12-Motor, der noch heute bei Meetings in Erscheinung tritt. Im Verlaufe der Fünfzigerjahre vertraten Garagen in Genf, Lausanne, Bern, Basel und Zürich die Marke aus Maranello, obwohl es noch selten zum Verkauf eines Fahrzeugs kam. Die Kunden von damals wünschten meistens, persönlich einen Neuwagen in Maranello in Empfang zu nehmen, die Schlüsselübergabe übernahm dabei Enzo Ferrari persönlich. Immerhin nahm die Ferrari-Jahresproduktion 1957  auf 113 Stück zu, allmählich wurden die kostbaren Zwölfzylinder auch von Schweizer Kunden mehr und mehr an Land gezogen.

Bei den Grands Prix machte sich der Zürcher Rudolf Fischer auf seinem Ferrari-Monoposto einen Namen, 1952 wurde er in der Fahrerweltmeisterschaft Vierter, punktegleich mit dem Engländer Mike Hawthorn auf Cooper-Bristol. Willy-Peter Daetwyler erwarb 1965 einen Ferrari 750 Monza mit 3-L-Motor, an dessen Steuer er die Triumphfahrt durch den Schweizer Rennsport fortsetzte, Hans Wirz wurde 1957 auf einem Ferrari 250 Schweizer GT Meister, nachdem der Berner Hans-Karl von Tscharner einige Jahre zuvor auf einem Ferrari 212 Schweizer Meister bei den Sportwagen geworden war. Mit den Jahren tauchten immer mehr Schweizer «Ferraristi» auf. Einen weiteren Höhepunkt bot danach der Basler Peter Schetty, der nach zwei erfolgreichen Abarth-Jahren 1969 als Werksfahrer mit einem Ferrari 212 mit flachem 2-L-Motor die Berg-Europameisterschaft nach Tagessiegen in Serie gewann. Später ernannte Enzo Ferrari den talentierten Basler zum Rennleiter der Scuderia. In den Sechzigerjahren bot die Genfer Scuderia Filipinetti mehreren Schweizer Fahrern willkommene Chancen.

Heute kämpfen die Ferrari-Piloten der Formel 1 nach wie vor um Podiumsplätze. In der modernen Zeit gibt es für kleinere Rennställe praktisch keinen Platz mehr, denn der hochtechnisierte Rennsport, der mit gigantischen Geldsummen verbunden ist, bietet solchen Teams kaum mehr eine Chance. Immerhin setzen sich die Ferrari-Privatteams bei
GT-Rennserien durch.

Adriano Cimarosti

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