AVANTGARDE-PRÄZISION FÄHRT BEI «GRAN TURISMO SPORT» MIT

Der Schweizer Uhrenhersteller Tag Heuer ist offizieller Zeitmesser bei der ersten elektronischen Meisterschaft der FIA

Auch virtuell wird reell: Stéphane Fillastre, Lizenzchef der FIA, homologiert die Gran-Turismo-Sport-Meisterschaft auf dem berühmten Video-Spiel von Kazunori Yamauchi. © GR

Als erster Uhrmacher, der sich an einer Sportmeisterschaft in der Cyberwelt beteiligt, beschreitet Tag Heuer einmal mehr Neuland. Dies dank seiner historischen Partnerschaft mit dem Videospiel «Gran Turismo Sport». Die 7. Folge der berühmten Simulation, die am 18. Oktober erschienen ist und bereits von vielen Kritikern gepriesen wurde, bereitet die Integration zweier durch die FIA anerkannter Serien vor, nach deren Abschluss die Salon-Piloten eine echte, auf den Rennstrecken anerkannte Lizenz erhalten können. Olivier Volery, der voller Ungeduld den Beginn der ersten Tests im Originalmassstab erwartet, hält mit seiner Zufriedenheit nicht hinter dem Berg. Der Direktor der Zeitmessung bei TAG Heuer spielte eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entstehung des Projekts. Dies, seit er den Erfinder des Gran Turismo, Kazunori Yamauchi, bei einem FIA-Meeting 2016 getroffen hatte, also relativ spät in der beinahe fünfjährigen Entwicklungszeit. «Das war eine glückliche Verquickung von Zufällen», erklärt Volery. Wir sind zusammen hinausgegangen, um eine Zigarette zu rauchen und haben uns kennengelernt. Einige Tage später haben wir in Pikes Peak im gleichen Hotel gewohnt und sind beide früh am Morgen losgegangen, um das Rennen zu sehen. Wir waren uns sofort sympathisch. Er ist ein guter Mensch, bescheiden und sensibel. Er wird in Japan wie ein echter Rockstar verehrt, aber er zeigt das ganz und gar nicht.»

Vollständige Integration

Kazunori Yamauchi, der selbst Besitzer von Tag Heuer-Uhren ist – seine erste mechanische Uhr war ein Modell der helvetischen Marke –, hat die Chance zur Partnerschaft ergriffen, nachdem er von der FIA einen nachdrücklichen Hinweis erhalten hatte: «Die Erfassung der Rundenrekorde und die Aufzeichnung der Messergebnisse müssen unanfechtbar sein», erklärt der «Papa» von Gran Turismo, der ebenfalls Vize-Präsident von Sony ist. Die Entwickler von Polyphony Digital haben nicht nur die Technologie von Tag Heuer direkt in die Simulation integriert, sondern der Manufaktur im Spielmenü einen ganzen Abschnitt gewidmet. Die Enzyklopädie von Gran Turismo Sport ist eine Art virtuelles Museum, zeigt die komplette Geschichte von Tag Heuer und blendet auch das Markenlogo auf den Polygonen am Rand der Rennstrecke ein.

Schule des Lebens

Kazunori Yamauchi, der auch in der echten Welt seit 2008 Rennfahrer ist, hatte bereits die «GT Academy» auf den Markt gebracht. Ein Renntraining, das mehrere Spieler für so anspruchsvolle Meisterschaftsrundkurse wie VLN und die Blanc-pain GT Series qualifiziert hat. Mit Gran Turismo Sport fügt der Japaner dem «Gebäude», das er als Schule des Lebens versteht, einen weiteren Stein hinzu. «Es geht nicht nur darum seine Fahrtechniken auf den Rundstrecken, egal ob reell oder nicht, zu verbessern. Die besten Rennfahrer mussten zahlreiche Herausforderungen in ihrem Leben meistern, bevor sie den Gipfel erreichten. Ich möchte, dass die Spieler das auch empfinden.» Die beiden auf Gran Turismo Sport organisierten Meisterschaften ermöglichen es, entweder sein Land bei einem Pokal der Nationen zu vertreten, oder bei einem zweiten Wettbewerb für die Hersteller der 162 in dem Spiel verfügbaren Modelle zu fahren. Voraussetzung für die Teilnahme ist der Erwerb einer digitalen Lizenz, die von der FIA anerkannt und von den offiziellen Sportbehörden in jedem Land ausgestellt wird. Hierzulande durch Auto Sport Schweiz. Als eine Voraussetzung müssen die Spieler am Modul «Racing Etikette» teilgenommen haben, das Richtlinien und praktische Tests zum Respekt der Fahnen und dem Fahren in der Gruppe enthält, zudem müssen sie mindestens Silbermedaillen auf allen Rennen in der Spielkampagne erreichen.


 

Der Realismus hält Einzug

20 Jahre nach der ersten Version und mehr als 76 Millionen verkaufter Exemplare nimmt die Saga der japanischen Simulationen mit «Grand Turismo Sport» eine scharfe Kurve. Das von Polyphony Digital entwickelte Spiel ist das siebente unter diesem Titel – wenn man die fünf Spin-Offs zwischen den Hauptteilen nicht mitzählt – verzichtet auf die überdimensionierte Anzahl von 1197 Fahrzeugmodellen, die im sechsten Teil zur Verfügung stand. Stattdessen zeigt es eine gestraffte Palette von 162 Autos, die jedoch perfekt abgebildet und mit einem Motor bestückt sind, der einem echten von A bis Z nachgebaut ist. Mitten in einer Sammlung echter Supercars, die wir auch auf der Rennstrecke testen konnten, wurde Grand Turismo Sport in Modena pompös präsentiert. Das Spiel lässt Simulationen ohne Konzession wie «iRacing», «Project Cars» oder «Assetto Corsa» klar auf Distanz. Am Joystick vermittelt das Game in bemerkenswerter Manier das Fahrgefühl eines echten Autos, trotz des erleichterten Fahrens und vereinfachter physischer Reaktionen. Mit einem Lenkrad fährt das Spiel in eine ganz andere Dimension, vor allem, wenn man in einem dafür ausgelegten Simulator sitzt.

Zwar fehlt das Force-Feedback in dem Schalensitz und der Widerstand im Pedalwerk ist unzureichend. Die besten «Simracer» benutzen es übrigens in … Socken. Dies um  mehr Feingefühl zu spüren und der Realität näher zu kommen. 

Auf dem höchsten Niveau ähneln die Rennen echten Meisterschaften, mit Wettkämpfen um jeden Millimeter, Rad an Rad. Weit entfernt von den üblichen «Autoscooter-Partien», die sonst auf den Servern verbreitet sind. Der einzige Dämpfer in der allgemeinen Euphorie ist die Abschätzung der Bremsleistung, die nicht so intuitiv ist, wie in «echt». Abgesehen davon sind die erforderlichen Bremsabstände manchmal zu lang. Allein, wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kann man den Sitz nicht mehr verlassen. Vor allem, wenn man einen Helm mit virtueller Realität trägt

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