MOTORISIERUNGSGRAD STEIGT

Im Jahr 2017 waren zum ersten Mal in der Schweiz mehr als sechs Millionen motorisierte Strassenfahrzeuge immatrikuliert.

Mit dem steigenden Motorisierungsgrad erhöhen sich auch die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur im Land. Die Kapazitätsprobleme werden allerdings weder durch mehr Allradfahrzeuge noch durch alternativ angetriebene Vehikel gelöst. © Patrick Corminbœuf

Man mag es bedauern oder gelassen zur Kenntnis nehmen. Tatsache ist, dass die Motorisierung in der Schweiz laufend zunimmt. Mit der Zuwanderung aus dem Ausland steigt somit auch der Grad der Motorisierung. Im abgelaufenen Jahr wurde zum ersten Mal die Marke von 6 Mio. Fahrzeugen geknackt, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) bekanntgab. Genau 6 053 258 Einheiten wurden eingelöst. Innerhalb von zwölf Jahren hat damit der Motorfahrzeugpark um mehr als
1 Mio. Fahrzeuge zugenommen, bei einem Einwohnerbestand von heute über 8.4 Mio. Personen. Bei drei Vierteln aller Motorfahrzeuge handelt es sich um Personenwagen. Deren Bestand betrug im vergangenen Jahr 4 570 823 Einheiten. Das heisst, die Motorisierung beträgt auf 1000 Einwohner über 500 Personen­wagen.

2017 wurden 315 032 Einheiten Personenwagen in Verkehr gesetzt, was einer Abnahme gegenüber 2016 um 1.3 Prozent entspricht. Zugelegt haben die benzinbetriebenen Fahrzeuge (+2.8 Prozent) sowie die relativ kleinen Sparten der Hybrid- und der Elektroautos (11.9 bzw. 39.8 Prozent bei immer noch kleinen Volumen). Nicht unerwartet kommt dagegen der Rückgang bei den Dieselautos im Gefolge des seit Jahren schwellenden Dieselabgasskandals. Die Anzahl der neu zugelassenen Dieselautos sank um satte 9.4 Prozent und verzeichnete mit 36.1 Prozent den tiefsten Stand seit dem Jahr 2011. Die Käufer sind gegenüber dem Diesel offensichtlich ziemlich skeptisch geworden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass trotz dem erwähnten Rückgang bei den Neuzulassungen der Dieselfahrzeuge im vergangenen Jahr deren Anteil an den neu immatrikulierten Personenwagen weiterhin über dem langjährigen Mittel lag. Entsprechend hat sich die beim Gesamtbestand seit gut zwei Jahrzehnten zu beobachtende Verlagerung  von Benzin- zu Dieselautos fürs Erste fortgesetzt. Ob das weiter anhalten wird, erscheint zum heutigen Zeitpunkt noch ungewiss.

Markante E-Zunahmen

Markante Zunahmen im Vergleich zu 2016 waren bei den Hybrid- sowie bei den reinen Elektroautos im hinter uns liegenden Jahr auszumachen. Ihre Anteile lagen 2017 bei 1.5 bzw. 0.3 Prozent. So steigerten die Hybridautos den Bestand um 17.8 Prozent auf 67 661 Fahrzeuge, die Elektroautos steigerten denjenigen um 35.6 Prozent auf 14 539 Einheiten. Gemessen am Gesamtfahrzeugbestand sind das indes noch immer bescheidene Stückzahlen. Ob im Jahr 2020 wie vorgesehen der Anteil der Elektroautos auf 20 000 Einheiten steigen wird, ist in den Bereich des Möglichen gerückt.

Der Drang zum Allrad

Weiterhin stark im Trend liegen die allradbetriebenen Personenwagen. Die Schweiz wird immer mehr zum Mekka für Autos mit Vierradantrieb. Die Topografie unseres Landes eignet sich für die Art von Fahrzeugen ganz besonders gut. In den Bergen kommt man mit Allrad viel sicherer voran. So vergrösserte sich ihre Gesamtzahl 2017 um 6.9 Prozent. 2017 fuhren bereits 30.1 Prozent mit Allradantrieb. Im Jahr 2000 lag dieser Wert noch bei 14.3 Prozent. Anderseits nahmen die Wagen mit reinem Vorder- oder Hinterradantrieb um 1.2 bzw. um 1.6 Prozent ab.

Güterfahrzeuge im Plus

Bei den Güterfahrzeugen ist ebenfalls ein Plus zu verzeichnen. Gegenüber 2016 erhöhte sich der Bestand um 2.7 Prozent auf 416 501 Einheiten. Überdurchschnittlich ist das Wachstum bei Lieferwagen. Deren Bestand nahm, verglichen mit dem Jahr 2000, um 59.7 Prozent zu, während die schweren Nutzfahrzeuge im gleichen Zeitraum nur um 5.6 Prozent zulegten. Die Gründe für den Anstieg in den letzten Jahren sind in der wieder anziehenden Wirtschaft zu suchen. Bescheiden fällt dagegen das Wachstum bei den Landwirtschaftsfahrzeugen aus. Gegenüber 2016 nahm der Park im Jahr 2017 lediglich um 0.4 Prozent zu. Der Bestand liegt neu bei
192 858 Einheiten.

Schliesslich stellen die Motorräder nach den Personenwagen die grösste Fahrzeuggruppe dar. Ihr Bestand betrug im vergangenen Jahr 729 149 Stück und war damit um 1.2 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Motorradfahren als Freizeitsport übt offensichtlich auf viele Menschen einen ganz besonderen Reiz aus.


 

PENDLER PENDELN MEIST IM AUTO

 

Die Zeiten, da Wohn- und Arbeitsort dicht beisammen lagen, gehören endgültig der Vergangenheit an. Nach den jüngsten Angaben des Bundesamts für Statistik (BFS) waren 9 von 10 Erwerbstätigen in der Schweiz Pendler, also Personen, die zum Aufsuchen des Arbeitsplatzes ihren Wohnort verliessen. Das entspricht rund 3.9 Mio. Menschen. Hiervon arbeiteten 71 Prozent ausserhalb ihrer Wohngemeinde. Ihr Anteil hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Im Jahr 1990 waren im Vergleich dazu erst 2.9 Mio. Pendler unterwegs. Auch die Zahl der Personen, die vom Wohn- zum Arbeitsort den Kanton wechseln, hat sich im Zeitraum 1990 bis 2016 von 12 auf 20 Prozent erhöht.

Was das Fortbewegungsmittel angeht,  benutzten 52 Prozent der Pendler in erster Linie das Auto, 30 Prozent begaben sich mit dem öffentlichen Verkehrsmittel zur Arbeit und 15 Prozent zu Fuss oder mit dem Velo. Im Durchschnitt betrug die Länge des Arbeitswegs knapp 15 km.

Zusätzlich zu den Arbeitspendlerinnen und -pendlern gab es in der Schweiz 2016 gut 0.8 Millionen Ausbildungspendlerinnen und -pendler ab 15 Jahren (Schüler/-innen, Lehrlinge, Studierende). Um zu ihrer Ausbildungsstätte zu gelangen, legten diese im Schnitt 22 km zurück. Dabei begaben sie sich vorzugsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Ausbildungsstätte: Eisenbahn und öffentlicher Strassenverkehr kamen 2016 auf einen gemeinsamen Anteil an den Hauptverkehrsmitteln von 67 %.

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