MICROLINO: DIE ISETTA DES 21. JAHRHUNDERTS

DER MICROLINO: Der Schweizer Hersteller Micro wurde durch seine Tretroller bekannt. Vor einigen Jahren stellte man sich einer ganz anderen Herausforderung: dem Bau eines Autos.

Wie alle schönen Geschichten, beginnt diejenige von Micro Mobility Systems mit einer Anekdote. Alles begann mit einer Wurst – der besten Zürichs –, wie es heisst: Für Wim Ouboter, damals Banker in Zürich, war der Sternen Grill am Bellevue, 500 Meter von seiner Arbeit entfernt, zu weit weg für einen Fussmarsch, aber zu nahe, um mit dem Fahrrad oder dem Auto dorthin zu fahren. Da kam ihm die Idee mit dem klappbaren Roller und den Kickboards für die «letzte Meile». Man weiss, wie es weiterging: zig Millionen verkaufte Einheiten und eine Präsenz in knapp 80 Ländern. Der spassige Tretroller ist der praktische und zuverlässige Begleiter für den modernen Stadtmensch. Genau dieses Publikum will Wim Ouboter jetzt mit seinem neuen Produkt, dem Microlino, überzeugen.

Von seinem historischen Vorbild übernimmt der Microlino die Fronttür und die Ei-Form mit schmaler hinterer Spur.

Die Micro-Tretroller füllten die Lücke zwischen Fahrrad und Fussmarsch, der Microlino soll dasselbe im Segment zwischen Motorrad und Auto, den motorisierten Vierund Dreirädern, mit einem Leergewicht unter 550 kg (Kategorie B1) erreichen. Inspiriert wurde das Schweizer Unternehmen dabei von der legendären Isetta aus den 1950er-Jahren. Diese wurde damals unter Lizenz von BMW gebaut und war – mit dem Messerschmitt KR – das populärste Citymobil in der Nachkriegszeit.

Elektroantrieb

In Zeiten immer strengerer CO2-Emissionsauflagen hat Micro sein erstes Automobil mit 100 % elektrischem Antrieb konzipiert. Anstelle des damaligen Viertakt-Einzylinders mit 250cm3 und 12PS von BMW haben die Ingenieure einen 15-kW-Elektromotor installiert. «Der Elektromotor kommt von einem italienischen Hersteller, der das Aggregat speziell für den Tazzari Zero und den Microlino konstruiert hat», erklärt uns Merlin Ouboter, Sohn des Micro-Gründers und Marketingleiter des Unternehmens. «Die Leistung ist für alle Modelle dieselbe, aber der Kunde hat die Wahl zwischen zwei Batteriegrössen: einer kleinen mit 8 kWh und einer Reichweite von 120 km oder einer grossen Batterie mit 14.4 kWh und 215 km Reichweite. Der Microlino ist auf 90km/h Höchstgeschwindigkeit limitiert, aber Autobahn-tauglich.

Rot für Feldsch- lösschen, blau für Rivella: kein Zweifel, der Micro wird ein Schweizer Auto sein.

Die Fronttür, war eine echte Herausforderung Mit 1.50 m Breite und 2.44 m Länge ist der Microlino 10 % grösser als die altehrwürdige Isetta. Aussen behielt er die typische Eiform der Urahnin. Man besteigt den Microlino ebenfalls durch die Fronttür, deren Konzeption den Entwicklern echtes Kopfzerbrechen bereitete. Merlin Outboter : «Die Fronttür war eine grosse Herausforderung, da sie als Karosserieelement mehrere Tausend Mal geöffnet wird, d. h. sie muss solide und zuverlässig sein. Der Microlino besteht aufgrund seiner kleinen Abmessungen aus einem Stahlchassis ohne Knautschzone. Die Fahrgastzelle muss sehr steif sein und deshalb kommt nur Stahl infrage.»

Minimaler Innenraum

Die Tür gibt den Blick frei auf einen eher spartanischen Innenraum: Die Öffnungen (Schiebefenster und Stoffdach) werden manuell bedient, die Kunststoffe sind eher minderwertig und Instrumente sind Mangelware. Das war laut Ouboter in Anbetracht des Verkaufspreises von unter 13 000 Franken auch nicht anders zu lösen: «Aus unserer Sicht war es nicht notwendig, den Microlino mit elektrischen Hilfen auszustatten, dies hätte nur den Preis nach oben getrieben.» Das 300 Liter fassende Gepäckabteil ist über eine Heckklappe erreichbar.

Erster Stützpunkt in Zürich

Zum Thema Vertrieb sei gesagt, dass Micro schon einen Showroom in Zürich eröffnet hat. «Ganz in der Nähe des Tesla-Shops haben wir unseren ersten aktiven Verkaufsraum.» Die Produktion des Autos läuft diesen Sommer an, gefolgt vom Verkaufsstart in der Schweiz (der Microlino kann bereits vorbestellt werden). Danach soll das Bubble Car (so heisst das Modell in den angelsächsischen Ländern) des 21. Jahrhunderts in weiteren Ländern wie Deutschland und Frankreich angeboten werden. «Wir wollen kein klassisches Vertriebsnetz wie bei den anderen Marken aufbauen», sagt der Juniorchef. Micro braucht keinen Zwischenhandel. Wir konzentrieren uns auf den Verkauf im Geschäft, online oder per Shop-in-Shop-Konzept (Anmerkung: Verkaufsraum im Stützpunkt einer anderen Marke). In Europa kümmern wir uns um die Vermarktung. Darüber hinaus wollen wir uns auf FranchisePartner stützen: Örtliche Automobil rmen können unsere Lizenz erwerben und haben damit Zugang zu dem Teilelager und das Recht, unser Logo auf der Karosserie anzubringen.» Beim Kundendienst kooperiert Micro in der Schweiz mit Bosch Car Service (über 70 Werkstätten). Diese Partnerschaft soll auf andere Länder ausgedehnt werden.

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